October 21, 2010

My Story 13 - Romance Dawn

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Es war an einem kalten Tag im September, es war bereits Nacht und ein wenig Nieselregen fiel, da las ich jemandes Worte: "Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es! Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt!"

In den vergangenen zwei Jahren habe ich in 36 Berichten und 32 Bilderbüchern mein Vaterland vorgestellt. Neunmal habe ich mich über meine Muttersprache ausgelassen und sechs Zeitsprünge eingelegt. Elfmal gewährte ich Einblick in mein Umfeld und die Menschen darin. Zwölf - wenn man einmal zurückblickt relativ intime - Erzählungen aus meinem Leben gab ich preis und schob einige Reiseberichte über Spanien, Frankreich, Luxemburg, Schweden und Italien sowie dem "Forschungsaufenthalt" in Japan ein.
In den vergangen zwei Jahren empfing ich siebzehnmal Gäste in Bonn, insgesamt 23 Personen an der Zahl. Vier Personen kamen in den Genuss meiner Heimat. Fünfmal wiederum machte ich mich selbst auf den Weg, sieben Freunde zu besuchen.
Um eine letzte Zahl zu nennen: 153 Beiträge sind insgesamt seit der Rückkehr aus dem Austausch verfasst worden, den vorliegenden eingeschlossen. Zurückblickend, wie ich es in letzter Zeit oft tat, hätte ich gerne mehr geschrieben, hätte ich gerne auch die zwei Studienjahre vor Japan noch nachträglich eingefügt. Doch es ist, wie es ist, und wie es ist, ist es gut. So sagte einst ein geschätzter Lehrer und damit hatte und hat er vollkommen Recht. "3D2Y". Zwei Jahre, zwei lange Lehrjahre sind vergangen, seit ich Japan hinter mir ließ.

Damit schließt sich auch dieses Buch, endet diese Geschichte. Eine Geschichte voller Sonne und Schnee. Eine Geschichte voller selbst gebackener Kekse und alter Familienrezepte. Eine Geschichte voller Dankbarkeit und Fröhlichkeit. Eine Geschichte mit einer leichten Note nach frisch blühendem Weizen und nach schweißgetränktem Leder. Eine Geschichte mit schrägen Vögeln und Gängen. Eine Geschichte auf Japanisch und Deutsch. Die Geschichte eines jungen Mannes, der nach seinem Glück strebt.

Doch meine Geschichte geht weiter. Nach Abschieden, die größtenteils tränenlos abliefen, wofür ich meiner gesamten Familie hiermit meinen größten Respekt aussprechen möchte, beginnt die Reise in ein neues Leben, in eine neue Welt.

Chapeau, meine Damen und Herren!

October 20, 2010

Rom - Roman Holidays

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Rom:
- am Tiber gelegen durchschnittlich 37 Meter über den Meeresspiegel
- Geburtsort der Kaiser Cäsar, Augustus und Titus, mehrerer Päpste Bonifatius und Gregor und gegenwärtiger Größen wie Eros Ramazotti
- Partnerstädte: Paris (Frankreich), New York City (USA), Seoul (Südkorea)

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Neulich, da sagte mir einmal jemand: "Meine Versuche, zu warten bis die Musen mich küßten, sind immer fehlgeschlagen. Ich glaube, sie küssen lieber die, denen der Schweiß heißen Bemühens die Stirn feuchtet, als jene, die ihre Ankunft untätig schwärmend erwarten."

Früh muss man aufstehen, wenn man nicht stunden- und kilometerlang in der Schlange vor den Vatikanischen Museen stehen möchte. Nun waren wir am Mittwoch nicht nur sehr früh dran, sondern auch Audienz beim Papst. Vielleicht lag es daran, dass wir uns schon keine zweihundert Meter vom Eingang entfernt einreihen konnten in die überwiegend asiatischen Reisegäste. Denn anders als am Vortag im Kolosseum oder dem Forum Romanum, wo man des Öfteren deutsche Wörter aufschnappen konnte, waren es hier vor allem asiatische.
Ist man erst einmal durch die Eingangstür, ist man allerdings noch lange nicht im Museum. Einer Sicherheitskontrolle wie am Flughafen folgen eine Rolltreppe und erst nach noch ein paar Stufen ist man am Anfang eines Rundganges, für den man problemlos einen ganzen Tag aufwenden kann. Zum Glück verläuft er aber nur in eine Richtung, sodass man immerhin nicht mit entgegenkommendem Verkehr rechnen muss. Lediglich im einleitenden Cortile della Pignia, dem Pinienhof, hat man freie Richtungswahl.

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Cortile          Vatikan          Pinie
links: der Pinienhof
Mitte: Blick vom Museum über den Hof auf den Petersdom
rechts: die namensgebende Pinie

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Erleuchtung          Sphären
links und rechts: "Sphäre in einer Sphäre"

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Eine weitere Wahlmöglichkeit besteht bei dem Umfang des Rundganges, den man sich zumuten möchte. Angesichts der zahlreichen Ausstellungen und Galerien ist das auch gut so. Sonst ist man ja schon erschöpft und das Gehirn voll mit Eindrücken, wenn man am wahrhaft beeindruckenden Höhepunkt ankommt.
Neben einer Unzahl an römischen Marmorstatuen gibt es auch Ausstellungen zu den Ägyptern und den Etruskern, mit denen das Heilige Römische Kaiserreich einst viel zu tun hatte. Eine etwas muffige Galerie führte einen an prachtvollen Gobelinen vorbei, eine andere war mit Landkarten des antiken Italiens gesäumt. Und alles in Gold gehalten oder aus Marmor. Da hatte jemand wahrhaft nicht gegeizt.
Es gibt einfach zu viel zu sehen und dementsprechend viel zu erzählen. Das würde allerdings den Rahmen dieses Beitrags, ach was, des ganzen Blogs sprengen! So lasse ich alle Einzelheiten aus, stelle nur ein paar der besten Fotos zur Schau und schließe mit nur einer einzigen Anekdote: Es soll einmal ein Papst Amok gelaufen sein, der Anstoß an den detailverliebten Marmorstatuen genommen hatte. So zog er eines Tages mit Hammer und Meißel los und schlug allen Männern ihrer Penisse ab. Das Ergebnis ist auch heute noch zu sehen. Wobei er bei seiner Mission ganz schön geschlampt haben muss, so viele Männer waren noch im Besitz ihres besten Stücks.

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Mumie          Netz          Landkarten
links: eine echte ägyptische Mumie
Mitte: bröckelnde Kunst
rechts: Stau in der Galerie der Landkarten

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Ägyptisch          Wendeltreppe
links: im Ägyptischen Museum
rechts: doppelte Wendeltreppe

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Perseus          Ceres          Muse
Reihe "Statuen"
links: Perseus mit dem Haupt der Medusa
Mitte: Ceres
rechts: Melpomene, Muse der Tragödie

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Krebs          Tiere
links: Krebs
rechts: allmögliches Getier

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Man nähert sich dem Ziel beziehungsweise dem Höhepunkt der Museen, wenn man durch vier Zimmer geht, die als Raffaels Stanzen bekannt sind. Drei dieser Zimmer hat der bekannte Künstler selbst gestaltet, das vierte übernahmen seine Schüler nach seinem Ableben. So prangten sehr aussagekräftige Motive an den Wänden und Decken, deren Hauptszene charakteristischerweise oft eher versteckt im Hintergrund steckt. Hingegen wurden die Menschen betont in den Vordergrund gestellt. Der Audio-Guide machte sich wieder einmal bezahlt; er machte die Kunst erlebbar.
Auf diese Kunst der Renaissance folgt ein Gang durch modern art bevor man wieder in die Renaissance zurück geworfen wird. Denn dann befindet man sich in den hintersten Winkeln der Vatikanischen Museen und somit in dem Gebäudeteil, das von außen zwar einigermaßen markant und gleichzeitig so unglaublich unscheinbar wirkt: der Sixtinischen Kapelle.

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Maria          Deckengemälde
links:
rechts:

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Disputa          Brand
links: der "Streit über das Sakrament" - Man beachte die horizontale Unterteilung in Himmel und Erde sowie die vertikale Achse aus Gott, Jesus und dem heiligen Geist in der Bildmitte
rechts: der "Borgo-Brand" - im Hintergrund die wichtige Szene mit dem segenden Papst

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Athen          Jesus          Gemälde
links: aus der "Schule von Athen" - DaVinci als Plato und Aristoteles im Zentrum, Diogenes liegend davor
Mitte: Jesus mal als cooler junger Mann
rechts: moderne Kunst

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"Silencio! No photos! Silence, pleeease!", wird man gleich am Eingang begrüßt beziehungsweise ermahnt. In der Kapelle gibt es nämlich so viel zu sehen - alleine alle Erklärungen des Audio-Guides anzuhören bedarf schon etwa zwanzig Minuten -, dass es sich ein wenig staut. Der Geräuschpegel steigt stetig an, tuschelt doch irgendwie jeder mit jedem. Alle zwei Minuten wird daher von den zahlreichen Aufpassern durchdringend um Ruhe gebeten. Und bei der Gelegenheit gleich daran erinnert, dass das Fotoschießen nicht gestattet ist. Vielen ignoranten, respektlosen Touristen scheint das zwar egal zu sein - die meisten von ihnen argumentieren dabei mit einem so stupiden wie auch falschen "Das tun doch alle." -, aber das eine oder andere Mal greifen die Aufpasser auch schon einmal härter durch und gehen direkt auf die Leute zu. Doch viele scheint auch das nicht zu stören. Sie murmeln nur abwesend "Jaja" und ein offensichtlich nicht ernst gemeintes "Entschulding", drehen sich um und betätigen bereits wieder den Auslöser.
Was aber ist der Grund für diesen Fotowahn, für dieses zu einem Getose ansteigende Gemurmel, für das Foto- und Sprechverbot überhaupt? Eines der berühmtesten Gemälde der Welt ist es, genauer gesagt: ein Fresko. Michelangelos Meisterwerk: das Jüngste Gericht an der Eingangswand, die Episoden aus dem Leben Moses’ und Jesus’ an den Seiten, der Neunteiler an der Decke und die zahlreichen Figuren dazwischen, von Propheten bis Päpsten.
Spannend bei den Episoden aus den Leben Moses’ und Jesus’ fand ich, dass beide Serien sich jeweils entsprechende Themen einander gegenüberliegen hatten. Wären sie nicht für das Jüngste Gericht übermalt worden, lägen somit der Fund des Moses auf dem Nil und die Geburt Jesu nebeneinander. Ebenso liegen sich die Verkündungen des Willen Gottes gegenüber: Jesus’ Bergpredigt und die Übergabe der Gesetzestafeln an Moses. Das neunteilige Deckenfresko ist wiederum in drei dreiteilige Geschichten unterteilt: die Erschaffung der Welt (Scheidung von Licht und Finsternis, Erschaffung der Gestirne und der Pflanzen, Scheidung von Land und Wasser), die Geschichte Adams (Erschaffung Adams, Erschaffung Evas, Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradis) und die Geschichte Noahs (Noahs Opfer, Sintflut, Noahs Trunkenheit). Aber ich möchte mich hier gar nicht zu sehr in Einzelheiten verlieren. Es gab einfach zu viel zu sehen und alles war so extrem detailverliebt… Atemberaubend!
Da wir drei uns anders als andere Familienangehörige respektvoll verhalten und der Bitte des Hausherren gerne nachkamen, kann ich hier leider keine Fotos von diesen mehr als nr beeindruckenden Werken zeigen. Doch der interessierte Leser wird im Internet garantiert sehr schnell fündig werden, und das eine andere Bild schwebt dem Leser vielleicht bereits jetzt vor Augen, so zum Beispiel die Erschaffung Adams, das berühmte Bild mit den beiden sich beinahe berührenden Fingern und dem Gott, in dem einigen Theoretikern zufolge die Konturen eines menschlichen Gehirns nachgezeichnet sind.
Beim Verlassen der Kapelle warf ich noch einmal einen Blick auf das Jüngste Gericht, welches auf die Entfernung gleich noch einmal so imposant ist wie aus der Nähe. Ich war sprachlos.

Von all den Eindrücken in den Museen vollkommen erschlagen, nicht zuletzt aber auch von den langen Wegen darin, machten wir in einem netten Seitengässchen Rast und gönnten uns eine Pizza. Und zwar eine richtig leckere. "Die haben einen Steinofen!", stellte meine Mutter im Vorbeigehen freudig fest. Da mussten wir nicht lange überlegen, ob wir weitersuchten. Wir taten es trotzdem. Das heißt: Wir überlegten - entschieden uns am Ende ab eben für jenes kleine Lokal. Ein Entschluss, für den wir sehr reich belohnt wurden.
Vorbei an der Börse, von außen mit Säulen hübsch auf antik gemacht, ging es dann zu einem wirklich antiken Ort, nämlich dem ältesteten erhaltenen Gebäude in ganz Rom: dem Pantheon. Ursprünglich, wie der Name bereits verrät, der Gesamtheit der fömischen Götter gewidmet - und das sind bekanntlich viele! -, wird es heute als normale Kirche benutzt, in der beispielsweise der Künstler Raffael sein Grab hat.
Das Besondere am Pantheon ist das Loch in der flachen Kuppel, Okulus genannt, "Auge". Auf Postkarten sieht das immer sehr spektakulär aus, mit der richtigen Kamera geschossen und am Computer nachbearbeitet. Da fällt dann nämlich ganz mystisch ein Lichtkegel durch das Loch auf den Boden. In Wirklichkeit muss man aber viel Glück haben, um dieses Schauspiel zu sehen, wenn es nicht gar ausschließlich auf Fotomontagen zu betrachten ist. Noch dazu war es bewölkt, als wir da waren. Dieses Wetter beantwortete mir aber immerhin die Frage, ob der Okulus wohl heutzutage mit einem Fenster geschlossen sei. Sonst würde es ja hineinregnen oder hineinschneien. Die weitflächige Absperrung in der Mitte des Raumes sowie die Pfütze auf dem Boden erübrigten ein allzu langes Grübeln.

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Börse          Pantheon
links: auf antik gemacht - Börse
rechts: antik - Pantheon

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Okulus          Reingeregnet
links: Loch in der Decke - der Okulus im Pantheon
rechts: Beweis der Fensterlosigkeit - Pfütze auf dem Boden

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Der Spaziergang ging religiös weiter. Zunächst besichtigten wir die einzige gotische Kirche in Rom. In der Tat: überall Spitzbögen und Kreuzrippen.

In einer anderen Kirche, die wir ursprünglich wegen ihrer Illusionsmalerei an der Decke aufsuchten, die sich als meines Erachtens eher unspektakulät entpuppte, kamen wir zufällig in den Genuss eines ganz besonderen Leckerbissens. Auf einmal erschallte Gesang von einer kleinen Menschengruppe, die allesamt in Trachten gekleidet waren - von Brillen, Armbanduhren und Kaugummis einmal abgesehen. Voran schritten zwei Damen in türkisfarbenen Roben, von denen eine Weizenähre oder so etwas trug. Alleine wenn die beiden sangen, klang es, als sänge ein ganzes Chor. Eine wahnsinnig einnehmende Atmosphäre. Begleitet wurde das ganze von mehreren traditionellen, flötenähnlichen Instrumenten und Posaunen. Nebenher ging ein alter Mönch, ganz klassisch mit schwazer Kutte und einem weißen Strick als Gürtel, der wild gestikulierte wie ein Dirigent. Vermutlich war dies nur die Probe für Weihnachten, doch mit dem bedächtigen Voranschreiten erschien es wie eine Prozession.
Wie ich schon oft auf Reisen feststellen durfte: Die zufälligen Begegnungen sind meistens die besten.

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Zähne          Elefant
links: schlechte Zähne
rechts: Berninis markanter Hohlraum (hier zwischen den Füßen des Elefanten) nachträglich bedeckt

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Nach einem sehr schmackhaften Schinken-Käse-Sandwich ging es ein zweites Mal auf ins römische Nachtleben. Zum Kolosseum sollte es gehen und zum Petersdom. Zwei Ziele, die an vollkommen verschiedenen Enden Roms liegen, von unserem abseits beider Orte gelegenen Hotel ganz zu schweigen. Doch wir konnten ja so viel U-Bahn fahren, wie wir wollten, sollten dies zur Rentabilität der Fahrkarte auch tun und vor allem lohnte sich der späte Ausflug allemal. Warum? Nun, dafür lasse ich lieber die Bilder selbst sprechen.

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OlivenbaumN          KolosseumN
links: Grüße aus Rom
rechts:

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SchichtenN          Kolossal
links und rechts: das Kolosseum aus der Ferne und der Nähe

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Hochkant          Winzig          Nacht
links und rechts: kolossales Kolosseum
Mitte: Nakama-Pose am Kolosseum

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Entschuldigung, ich bin’s doch nochmal. Ich war nämlich nicht der einzige Fotograf, der des Nachts unterwegs war. Besonders am Kolosseum wimmelte es von Kollegen. Dennoch nahm man aufeinander Rücksicht, huschte dem Anderen nicht vor die Linse, sondern wartete - auch mal ein wenig länger - die Belichtungszeit ab.
Am Petersdom war widerum relativ wenig los, was wohl größtenteils auf den Regen zurückzuführen ist, der inzwischen eingesetzt war. Die meisten Touristen, die überhaupt anwesend waren, standen unter den schützen Arkaden. Wohl behütet in den Armen der Kirche sozusagen, wenn man an die Bedeutung der den Petersplatz säumenden Säulenreihen denkt. Mir selbst macht Regen aber bekanntlich nichts aus; im Gegenteil sorgte er sogar für eine ganz besondere Atmosphäre, spiegelte sich doch Dank ihm alles wunderschön auf dem Kopfsteinpflaster wider.

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BrunnenN          PetersdomN
links und rechts: nächtliche Ansichten des Petersdoms

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RegenN          PoseN
links: noch einmal bei Petrus vorbei gegangen, um besseres Wetter zu bestellen
rechts: Nakama-Pose am Petersdom

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Der vierte Tag war ein wenig wirr, hatten wir kein direktes Ziel mehr, dass wir uns anschauen wollten. Zunächst einmal unternahmen wir eine Stadtrundfahrt in einem offenen Doppeldecker-Bus. So konnten wir all die bereits gesehenen Sehenswürdigkeiten noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Zudem sahen wir uns einiges, was wir bisher nur bei Nacht gesehen hatten, nach dem Mittagessen noch einmal bei Tageslicht an. So zum Beispiel die Spanische Treppe, die wir diesmal von oben nach unten gingen, weswegen ich sie auch beinahe glatt nicht erkannt hätte. Des Weiteren streiften wir ein bisschen durch das Ladenviertel, wobei mit "Läden" solche von Gucchi oder Dolce & Gabbana gemeint sind.
Das Mittagessen bestand übrigens aus insgesamt zehn Petit Fours für uns drei. Im "Café de Paris". Und das in Rom…

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Monument          Monumental
links und rechts:

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Dessous          Kirche          Wiedersehen
links: süße Verführung
Mitte: fast nicht wiedererkannt - Trinità dei Monti
rechts: wiedererkannt - Trinità dei Monti über der Spanischen Treppe

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Altar          Relief
links: Ara Pacis Augustae - Altar des Friedens des Augustus
rechts: Detail daraus - Rekonstruktion eines Reliefs aus der Romolus-und-Remus-Sage

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Triton          Halbmond
links: ein weiteres von Berninis Meisterweken - der Tritonbrunnen
rechts: Halbmond zwischen Säulenresten

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Zur Krönung des Tages und des Urlaubs ging es ein letztes Mal hinaus in die römische Nacht. Einen niedlichen Brunnen, ein Geheimtipp, hatte ich noch nicht gesehen, und die Engelsburg war bei Nacht bestimmt viel beeindruckender als am Tage. Eine Vermutung, die sich bestätigen sollte. Bei dieser dritten nächtlichen Fotosafari war ich aber wieder nicht alleine, sondern hatte äußerst unterhaltsame Begleitung in Form meines Vaters. Zugegeben war ich ein wenig überrascht über die Begleitung, aber nicht weniger froh.
Wir fuhren wieder mit dem Bus. Das Ticket musste schließlich genutzt werden. Auf unser freundliches Zeichen hin ließ uns der Fahrer sogar freundlicherweise mitten auf der Strecke einsteigen. Er stand nämlich aufgrund einer Demonstration im Stau, wie wir bald feststellten mussten. Nun ja, wir hatten ja Zeit. Ob wir nun in der Abenddämmerung oder in der Schwärze der Nacht an der Fontana della Schildkröte ankamen, machte ja auch keinen Unterschied.
Den richtigen Namen des Schildkrötenbrunnens kann ich mir partout nicht merken. Schade eigentlich, denn verdient hätte er diesen Respekt. Ein kleines Brünnchen auf einem kleinen Plätzchen (nicht die Weihnachtskekse, sondern die unbebauten Flächen in einer Stadt), umrahmt von italienischer Architektur und engen Gassen. So italienisch wie an diesem Ort war mir Rom im ganzen Urlaub nicht vorgekommen.

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Schildkrötenbrunnen          Schildkröte
links: Fontana della Schildkröte
rechts: Detail daraus - Ein Junge hebt eine Schildkröte ins Becken.

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Auf dem Weg dorthin kamen wir übrigens noch an der Area Sacra Argentina vorbei. Im Grunde nur eine weitere von vielen Ansammlungen von Säulen und anderen Artefakten antiker Zeiten, bedarf der Name jedoch einer Erklärung. Er hat nämlich überhaupt nichts mit Argentinien zu tun. Vielmehr spielt der Name dieses "heiligen Bezirks" in Rom auf das heutige Straßburg an, welches früher Argentoratum hieß, "Silberburg". Buenos Aires wiederum liegt zwar im "richtigen" Argentinien, welches allerdings nichts mit dem Straßburg zu tun hat. Buenos Aires ist wiederum auch eine U-Bahn-Haltestelle im Süden Roms, aber die hat erst recht nichts mit alledem zu tun. Die spinnen, die Römer.

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Argentinien          Blumenfeld
links: Area Sacra Argentina
rechts: Campo de’ Fiore - Blumenfeld

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Mit der Pilgerung vom Petersdom gen Engelsburg, dem Gang über die Engelsbrücke und einem kleinen Abstecher zum Tiber wurde der Abend und somit auch der Urlaub endgültig abgeschlossen. Und mit diesem Urlaub schloss ein Vierteljahrhundert Gröbe. In diesen letzten Tagen merkten wir beiderseits noch einmal, was wir aneinander haben, und all dafür und für noch viel, viel mehr bin ich meinen Eltern unendlich dankbar.

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PetersdomN2          Straße
links und rechts: Imposant thront der Petersdom über Rom.

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Engelsburg          TiberN
links: bei Nacht gar nicht mehr so dreckig und hässlich - die Engelsburg
rechts: Engelsburg und Engelsbrücke

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Engel          Dämon
links: einfach himmlisch
rechts: Nakama-Pose vor der Engelsburg

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Michael          Kreuz          Dornenkrone
Reihe "Engel"
links: Erzengel Michael auf der Spitze der Engelsburg
Mitte: Engel mit dem Kreuze auf der Engelsbrücke
rechts: Engel mit der Dornenkrone auf der Engelsbrücke

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Brücke          Spiegelung          Baseball
links: Burg und Brücke einmal aus einer anderen Perspektive
Mitte: himmlische Spiegelung im seichten Tiber
rechts: nur in Italien möglich (und vielleicht noch in den Niederlanden) - Werbung mit Bezug zum Baseball

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Am nächsten Tag im Flugzeug dachte ich zum ersten Mal im ganzen Monat, der bisher vollkommen dem Abschiednehmen und dem Abschluss des bisherigen Lebens gewidmet war, an das bevorstehende völlig neue Leben. Der endgültige Abschied würde bestimmt schwerer werden als erhofft. Doch diesen (letzten?) gemeinsamen Urlaub würde ich ewig in (guter!) Erinnerung bewahren!

October 19, 2010

Rom - Veni, Vidi, Vici

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Rom:
- durchschnittliche Jahrestemperatur: 7°C im Januar, 25°C im Juli
- auf dem gleichen Breitengrad wie Valladolid, Hakodate und Chicago gelegen
- auf dem gleichen Längengrad wie Leipzig, Venedig und Kopenhagen gelegen
- kolossal: beherbergt das längste Wohnhaus Europas

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Neulich, da sagte mir einmal jemand: "Der Verstand ist wie eine Fahrkarte: Sie hat nur dann einen Sinn, wenn sie benutzt wird."

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Italien          Schichten          Kolosseum
links: echt Italien - Ölbaum vor Kolosseum
Mitte: deutlich zu erkennen: die drei Schichten für die drei Logen
rechts: die wohl berühmteste Ansicht des Kolosseums

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Kolosseum          Blume
links und rechts: das halbe Kolosseum

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Sein Herz pochte schneller als sonst. Der Schweiß rann ihm unter der Maske bereits über das Gesicht und den Rücken. Dabei hatte er sich noch kein bisschen gerührt. Voller Spannung verharrte er auf seiner Pritsche, ja, sogar angespannter als sonst. Seine Kollegen, größtenteils Jungspunde, unerfahrene Neuzugänge, scharten sich in kleinen Gruppen, feixten miteinander und putschten sich gegenseitig auf. Nur er saß ganz alleine auf der Pritsche und wartete darauf, dass der Zellenwärter kam und die Tür zur Arena öffnete. Genau genommen, erwartete er es überhaupt nicht. Denn er hatte zufällig mitgehört, wie zwei der Tierbändiger über den heutigen Auftritt getratscht hatten. Die Anzahl der Tiere, mit denen die Gladiatoren sich heute duellierten, war so hoch wie nie zuvor. Ein Ehrengast wurde erwartet, den Namen hatte er allerdings nicht verstanden, für den selbstverständlich eine besondere Darbietung geboten werden sollte. Eine besonders blutige. Daher wohl auch die ganzen Grünschnäbel.
Sein Zeitgefühl versagte vollkommen. Wie lange mochte es gedauert haben, bis die Zellen geöffnet wurden, fragte er sich, während er mit den anderen durch die düsteren, stickigen, nur durch wenige Fackeln beleuchteten unterirdischen Korridore ging. Vor dem schweren Gittertor im Norden des Kolosseums mussten sie erneut eine Weile warten. Die Mittagssonne brannte bereits jetzt, bereits hier im Schatten. Das Sonnendach aus rotem Stoff, flatterte in einer seichten Brise, doch weder von jenem erfrischenden Lüftchen noch vom Schatten des Sonnendachs würden sie in der Arena etwas haben. Es war lediglich für die über 50.000 Zuschauer gedacht, deren aufgeregte Jubelschreie sie bereits jetzt noch heißer machten, als es ihnen ohnehin schon war. Nur ihm lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Mit seinem verbliebenen einen Ohr glaubte er nämlich das Gebrüll eines Tigers gehört zu haben. Eines hungrigen Tigers, wie ihm seine Erfahrung verriet. Die gefährlichsten Bestien, weil es unberechenbar war, wann sie von der Lauer in den Angriff wechselten. Er hoffte, sich verhört zu haben.
Das schwere Bronzegitter öffnete sich und nach dem üblichen Geplänkel unter den Gladiatoren selbst, bei dem sie sich wie üblich bereits die ersten Schnitt- und Stichwunden mit ihren Messern, Gladien und Lanzen zufügten, öffneten sich die Falltüren im mit Sand bedeckten Holzboden und die Tiere traten ins Freie.
Wenige Minuten später stand er in einem Meer aus Blut. Wenn man es überhaupt noch "stehen" nennen konnte. Ein Tiger hatte ihm tief ins rechte Bein gebissen, das er nun kaum noch rühren konnte, und ein Hüne von einem Bären hatte ihm mit seiner Pranke eine tiefe Wunde an der linken Hüfte zugefügt. Die Damen schrien vor Entsetzen, die Herren vor Entzücken und auch dem Ehrengast gefiel die Vorführung sicherlich. Er dachte noch nicht einmal an den Grund, warum er so viele Jahre gekämpft hatte, nur um jetzt zu sterben, empfand keine Ungerechtigkeit oder gar Sehnsucht nach Freiheit, fühlte noch nicht einmal den blutverkrusteten Sand an seinen Knien, auf die er auf einmal kraftlos sank. Nein, als der Löwe auf ihn zusprintete, der letzten noch lebenden Beute auf dem Schlachtfeld gewahr, da erhob er einfach seinen Speer und rammte ihn der Bestie mitten durch den Kopf, wie er es schon so viele hundert Male getan hatte. Was ihn letzten Endes tötete, bekam er schon gar nicht mehr mit.

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links          rechts
links und rechts: Überblick über das Kolosseum von innen

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Verlierer          Ausrüstung
links: was sich ein Gladiator nicht erlauben durfte
rechts: coole Helme, scharfe Dolche - Ausrüstung von Gladiatoren

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So oder so ähnlich muss ein Tag im Leben eines Gladiators ausgesehen haben. Bei mir persönlich hinterließ das Kolosseum noch tiefere Eindrücke als der Petersdom. Dem (japanischen) Audio-Guide sei Dank erfuhr ich vieles Wissenswertes und Spannendes über das Kolosseum. Vieles, was Klassiker wie "Asterix" und Blockbuster wie "Gladiator" und sogar ich selbst oben dramaturgisch verdrehen. Auf jeden Fall ist die Ruine des Kolosseums noch erstaunlich gut erhalten, vor allem obwohl sie doch ungeschützt und unüberdacht im Freien steht, wenn auch schon stellenweise stark nachgeholfen wurde. Dennoch kann man die Antike förmlich spüren.
Das Kolosseum: mein Lieblingsort in Rom.

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Gang          Kreuz          Statue
links: düstere Korridore
Mitte: Der Bezug zum Christentum ist umstritten. Ein Kreuz wurde trotzdem erst einmal (in der Neuzeit) aufgestellt.
rechts: lebensechte Statue

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Ganz anders war es im Forum Romanum, wohin es uns im Anschluss verschlug. Mehr oder weniger zufällig sollte der gesamte Tag nämlich unter dem Motto "Antikes Rom" stehen. Und wenn die Römer zwar auch erst relativ spät erkannten, welchen touristischen Nutzen all ihre Ruinen erfüllen, so haben sie es immer noch rechtzeitig bemerkt, um - stadtweit! - mehr als genug Säulen etc. stehen zu lassen. Schon recht bald im Forum Romanum, dem Stadtzentrum des antiken Roms, konnten wir daher nachvollziehen, was meine jüngere Cousine, ihrerseits ebenfalls unlängst in Rom gewesen, mit den weisen Worten meinte: "Oh, noch eine Säule."

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Via          Saturn
links: die heilige Straße Via Sacra
rechts: die Überreste des Saturntempels und des Tempels von Castor und Pollux

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Sacra          Forum
links: "Oh, noch mehr Säulen."
rechts: das Forum Romanum vom Kolosseum aus

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Das Forum Romanum ist eine Ansammlung von ruinierten Häusern, Tempeln und anderen Gebäuden, welche in der Antike das Stadtzentrum Roms bildeten. Hier hatten nicht nur die Kaiser ihren Sitz, sondern auch ein Großteil der Götter - und davon hatten die Römer bekanntlich viele! Wir gingen den Rundgang quasi rückwärts und aus der am Eingang ausgehändigten Karte ließ sich nicht immer hundertprozentig schließen, was für eine Ruine wir uns gerade ansahen. Allerdings konnten wir aufgrund der Kombi-Karte, die wir am Kolosseum erwarben, die lange Schlange umgehen. Immerhin etwas.
Persönlich fand ich die erste Hälfte auf dem Palatin, einem der sieben Hügel, auf denen Rom errichtet wurde, eher langweilig. Es herrschte keine so lebensnahe Atmosphäre wie am Kolosseum. Das änderte sich jedoch schlagartig, als wir in die zweite Hälfte gingen, die Via Sacra. An dieser Hauptstraße, passenderweise "heilige Straße" benannt, die vom nach dem Kaiser Titus benannten Titusbogen ausgeht, lagen vor allem die Tempel: einer für Saturn zum Beispiel, dessen acht markanten eine Art Wahrzeichen des Forums zu sein scheinen, oder der von Castor und Pollux, dem göttlichen Bruderpaar. Das Wetter zeigte sich auch immer mehr von seiner besten Seite. Mittags war es so heiß, dass ich einen vierten Sonnenbrand in diesem Jahr befürchtete (oder war es gar ein fünfter? Nach dem dritten habe ich aufgehört zu zählen…).

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Hippodom          Schwimmbecken
links: Hippodrom
rechts: Schwimmbecken in der Villa des Kaisers Augustus

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Baum          Turm          Säulen
links: ein Baum
Mitte: ein Muster wie bei "Mastermind"
rechts: die einzigen noch stehenden Säulen des Tempels von Castor und Pollux

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Direkt an das alte Stadtzentrum angeschlossen ist übrigens das Kapitol. Sehr symbolträchtig weist es dem Forum Romanum allerdings nur den Rücken zu und richtet seine Vorderseite gen neues Stadtzentrum und Vatikan. Außerdem liegt es auf einem der sieben Hügel, auf denen Rom erbaut wurde: eben dem Kapitol. Ganz passend stand hier dementsprechend die Bronzesäule von Romolus und Remus, dem Brüderpaar, das von einer Wölfin gesäugt wurde und später als Gründer Roms in die Geschichte eingehen sollte. Mit legendären Brüderpaaren scheinen es die Römer wohl irgendwie zu haben.
Die ganze Symbolträchtigkeit war mir allerdings relativ egal, da die Mittagssonne unerbärmlich auf unsere Häupter brannte und die paar für einen Schattenwurf ausreichend hohen Säulen kaum Schutz vor ihr spendeten. Einerseits war das schöne Wetter ja gut: Erst einmal hat es sowieso irgendwie besser zu Italien als Wolken und Regen und außerdem besichtigten wir an diesem Tag fast ausschließlich Freiluft-Sehenswürdigkeiten. Andererseits war es aber auch, zumindest in der Mittagshitze, sehr erschöpfend. Wir aßen Canneloni zu Mittag und wieder einmal überlappte sich meine Bestellung mit der eines meiner Elternteile.

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Legende          SPQR          Eckig
links: legendär - die Wölfin, die Romolus und Remus säugte
Mitte: aus "Asterix" bekannt - SPQR
rechts: Santa Maria in Cosmedin

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Das nächste Ziel war der Bocca della Verita, der Mund der Wahrheit. Vor Jahren - was rede ich: vor Jahrzehnten! - einmal in der "Sendung mit der Maus" vorgestellt bekommen - in der Römer-Maus, wenn ich mich richtig erinnere -, war es schon lange ein Traumziel von mir.
Die Realität ist oft bitter.
Wir hatten insofern Glück, als dass wir eine Viertelstunde länger hatten warten müssen, wären wir zwei Minuten später angekommen. Während wir uns nämlich in der Kirche umsahen, war eine japanische Reisetruppe eingetroffen. Aber der Reihe nach.
Der Mund der Wahrheit ist eine runde Scheibe mit einem Durchmesser von etwa anderthalb Metern mit einem Gesicht und vor allem einem großen Mund. Wer in diesen seine Hand steckt und dabei lügt, dessen Hand wird - je nach Interpretation - von einer magischen Kraft festgehalten oder gar abgebissen. Anders als erwartet, steht der Mund jedoch nicht im Freien, sondern ist quasi Teil einer Kirche, der Santa Maria in Cosmedin. Wer diesen antiken Lügendetektor einmal ausprobieren möchte, muss sich daher erst einreihen. Und auch das reicht noch nicht: Ein Kassenwart bitte um 50 Cent und ermahnt, nur ein Foto pro Person zu schießen. Meine dreiteilige Fotoreihe war somit von vornherein zum Scheitern verurteilt; auf die Idee, dass wir ja zu dritt waren und somit genau drei Fotos frei hatten, kam ich leider erst in der Kirche. Jedenfalls entschied ich mich daher nur für die Arm-ab-Variante - und war damit ungefähr so originell wie Hundertachtundierzigtausend andere Touristen vor mir.
Aber die Kirche war hübsch. Klein und sehr einfach, ein extremer Kontrast zum Petersdom, aber auf ihre Art sehr hübsch.

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Lügner          Wackelpudding
links: entlarvt - die originellste Pose, die man sich einfallen lassen kann
rechts: sieht aus wie Götterspeise - Dekoration auf dem Altar

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Zum Abschluss des Tages, die Schatten wurden bereits immer länger, gingen wir ins Badehaus. In echte römische Thermen!
Zunächst einmal nahmen wir allerdings den Bus dorthin. Da in keinem von den fünf Stadtplänen, die wir dabei hatten, Bushaltestellen eingezeichnet waren, glich die Fahrt einem Ratespiel. Dafür kamen wir jedoch am berühmten Circus Maximus vorbei. Genau wie der Londoner famous Picadilly Circus hat auch dieser nichts mit einem Zirkus mit Clowns und Akrobaten zu tun, sondern trägt seinen Namen aufgrund seiner runden Form. Und seiner Größe. Früher war er wohl einmal eine gigantische, prächtige Rennbahn oder so etwas. Heute ist es eine Grünfläche voller Hundekot. So ist der Lauf der Geschichte…
Bei den Caracalla-Thermen angekommen, gingen wir zunächst einmal fast vollständig außen um sie herum. Die enormen Ausmaße allein der Ruinen machten uns zum wiederholten Male deutlich, was für eine fortgeschrittene, vor allem aber auch klobige Gesellschaft diese Römer gewesen sein mussten. Wobei die Caracalla-Thermen auch nicht irgendwelche Thermen sind, sondern im Auftrag des Kaisers Caracalla errichtet worden waren. Doch die Thermen waren weit mehr als nur ein Badehaus: Es gab eine Taverne, Konferenzsäle, eine Bibliothek, eine Sporthalle, und, und, und… Die Thermen selbst wiederum unterteilten sich in mehrere direkt miteinander verbundene Bereiche mit heißen, lauwarmen, kalten und einem Schwimmbecken. Hier kam der Römer also zur Entspannung hin; hier waren alle Römer gleich. Senatoren warfen ihre schicke Seidentoga ab und der einfache Arbeiter seine schlichte Stofftunika und beide saßen nackt nebeneinander im Becken und unterhielten sich über Jupiter und die Welt.
Unser Rundgang warf mehrere pragmatische Fragen auf. Zum einen fragte ich mich allgemein, was die Römer eigentlich im Winter taten. Stereotyp trug der Römer schließlich stets Tunikas und Togen und dazu Sandalen. War das nicht kalt? Italien ist zwar wärmer als Germanien, aber für den Winter war das doch sicherlich dennoch keine angemessene Bekleidung. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Beheizung der Thermen. Eine Karte am Eingang gewährte uns nämlich Einblick in das Aussehen der Thermen, als sie noch in Betrieb waren. Da war viel mit Säulenbögen und wenig mit Fenstern. Wie hielten die Römer also ihre Räume warm? Ich erinnerte mich schwach daran, irgendwo einmal gehört zu haben, mit ihrem ausgeklügelten Wasserversorgungssystem aus Aquädukten und Abwasserleitungen hätten die Römer sogar die erste Fußbodenheizung der Geschichte erfunden, indem sie heißes Wasser unter dem Boden fließen ließen, doch weder war ich mir mit diesem Wissen sicher noch glaubte ich, dass so ein bisschen Fußbodenheizung genügte, dermaßen gigantische und vor allem hohe Räume warm zu halten. Zumindest Decken oder Tücher vor den "Fenstern" mussten verhindert haben, dass der Wind durch die Räume pfiff, doch wirklich effektiv erschien mir auch das nicht. Jedoch führte es zur nächsten Frage, wie es eigentlich mit der Beleuchtung war. Mein Vater stellte treffend fest: "Die hatten doch nur Fackeln. Das muss ja total schummerig gewesen sein."
Mangels intakter Wasserbecken endete unser Tag schließlich mit einer kurzen Verschnaufpause im großen Garten und immerhin der Benutzung der Toiletten. Immerhin ein klein bisschen Badehausflair.

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Lang          Hoch
links und rechts: Übersicht über die unglaublichen Ausmaße der Thermen

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Ruinen          Frigardium          Mosaik
links und Mitte: Überbleibsel des Frigidariums
rechts: fast wie in der Neuzeit: "Fliesen" im "Badezimmer"

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October 18, 2010

Rom - La Dolce Vita

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Rom:
- der Sage nach am 27. April 753 vor Christus von Romulus, dem Sohn des Kriegsgottes Mars, gegründet
- bereits im ersten Jahrhundert vor Christus Millionenstadt
- Auch die Römer sind nicht unbesiegbar: Im 5. Jahrhundert plünderten Westgoten und Vandalen die Stadt.
- heute mit rund 2,7 Mio. Einwohnern einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Christentums (neben Jerusalem und Santiago de Compostela)
- Austragungsort der ersten Paralympics der Geschichte

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Neulich, da sagte mir einmal jemand: "Die spinnen, die Römer." tock tock tock

Ein Vierteljahrhundert neigte sich dem Ende entgegen. Nimmt man, wie es üblich ist, den Geburtstag als Maßstab, so ist es bis zum Ende meines ersten Vierteljahrhunderts zwar noch ein bisschen hin, doch genau genommen existierte ich vor genau 25 Jahren bereits, wenn auch noch ungeboren im Bauch meiner Mutter. Daher war ich auch indirekt bereits bei ihrer Hochzeit dabei, deren silbernes Jubiliäum in Rom gefeiert werden sollte. Eine Silberhochzeitsreise zu dritt also, zum Abschluss eines Vierteljahrhunderts Gröbe.

Wie Hauptstädte es so oft sind, war auch Rom zunächst erst einmal hektisch, laut und stank. Auch der Verkehr entsprach allen Vorurteilen. Paris ist nichts dagegen, nicht einmal der berühmt-berüchtigte Place de la Concorde. Dazu ein Gehupe am laufenden Band! Wir, aus besagtem Paris bereits an einiges gewöhnt, kamen aber dennoch ganz gut zurecht und befolgten den Rat eines unserer zahlreichen Reiseführer: "Die Straße selbstbewusst und zügig, aber nicht hastig überqueren." Selbst, wenn sie manchmal ein wenig rasen und auch sonst recht wild fahren, sind die Römer schließlich täglich jenem Verkehr(schaos) ausgesetzt und daran gewöhnt und haben daher ein entsprechend gutes Reaktionsvermögen.
Um den ersten generellen Einblick abzuschließen, soll noch darauf hingewiesen werden, dass für eine dermaßen touristische Stadt wie Rom erstaunlich wenig Römer des Englischen in angemessenem Umfang mächtig sind, vor allem die Carabinieri, eine Art Polizei, und die Angestellten in von Touristen häufig angelaufenen Gegenden und Verkaufsstellen. Positiv überrascht wurden mir jedoch mehrfach von dem Otto Giovanni Normalverbraucher. Die spinnen, die Römer. tock tock tock

Nach einem Flug über wunderschöne Wolkendecken und die schneebedeckten Gipfel der Alpen kamen wir abends im hektischen, lauten und miefenden Rom an. Der Abend wurde umgehend zum ersten Fotorundgang genutzt, hatte ich doch diesmal extra ein Stativ mitgenommen. Bevor wir an unserem ersten Ziel, dem Trevi-Brunnen, ankamen, erklommen wir zunächst den ersten der sieben Hügel, auf denen Rom errichtet wurde, ich wurde vor dem Palast des Ministerpräsidenten von einem Carabiniere auf Italienisch angeschnauzt, das Stativ nicht benutzen zu dürfen (jedenfalls vermutete ich, dass es darum ging). Und dann standen wir in dieser Menschenmasse, diesen Hunderten von Touristen, die alle das gleiche Ziel hatten: ein Bild vom hübsch beleuchteten, wohl berühmtesten Brunnen der Welt zu schießen. Ein nahezu unmögliches Unterfangen, möchte man keine fremden Köpfe darauf haben. Selbst auf sämtlichen Postkarten, die ich sah, war kein Bild vom Trevi-Brunnen ohne Touristen zu sehen.
Übrigens sei auch auf die Gefahr hin, die Spannung aus diesem und den beiden folgenden Einträgen zu nehmen, betont, dass ich keine Münze in den Trevi-Brunnen warf. Angesichts der Menschenmassen war mir das, salopp gesagt, zu blöde. Im Nachhinein erfuhr ich zudem, dass es nicht einfach nur Glück bringt. Nein, wen eine Münze hinein wirft, soll es irgendwann wieder einmal nach Rom verschlagen. Umso besser, dass ich keine Münze warf!

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Okeanos          Trevi
links: Okeanos, Herrscher der Meere, und seine See-Pferde
rechts: Trevi-Brunnen mit möglichst wenig Menschen auf dem Bild

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Anders als vom Trevi-Brunnen, existieren von der Spanischen Treppe in der Tat Fotos, auf denen sie unbevölkert ist. Jene Fotos sind allerdings im heißen Hochsommer aufgenommen wurden. Wir besuchten sie aber im angenehm kühlen Herbst und erlebten sie dadurch in voller (Über)Bevölkerung. Von der romantischen Atmosphäre, wie man sie aus Filmen kennt, war nichts zu spüren. Abgesehen von dem einen Hochzeitspaar vielleicht.

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Treppe          Kirche
links: der Treffpunkt in Rom - die Spanische Treppe
rechts: einer von vielen Obelisken und eine von noch mehr Kirchen in Rom

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Am nächsten Tag wurde das Vorhaben, die Vatikanischen Museen zu besuchen, angesichts einer kilometerlangen Menschenschlange kurzerhand verschoben. Stattdessen reihten wir uns in eine etwas, aber nicht viel kürzere, dafür jedoch merklich schneller vorankriechende Schlange auf dem Petersplatz ein. So kamen wir ihnen Schritt für Schritt näher, dem Papst und seiner prächtigen Basilika.

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Petersdom          Petersbrunnen
links und rechts: Impressionen vom Petersplatz

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Von innen ist der Petersdom genau so beeindruckend wie von außen, und zudem viel prunkvoller. Hier wurde beim Bau nicht an Marmor gespart und auch Gold erstrahlte vielerorts. Und was gibt es dort nicht alles zu sehen! Vieles übersah ich schlichtweg, so beeindruckend war das alles, und entdeckte es erst beim Durchblättern der Broschüre zur Basilika, was mich beinahe noch ein zweites Mal zu letzterer getrieben hätte.
Zunächst ist da die Statue Pièta: Maria, die ihren gestorbenen Sohn Jesus in den Armen hält. Neben zahlreichen glorreichen Statuen selbstherrlicher Päpste stechen vor allem die vier Heiligen hervor, welche die die größte Kuppel der Welt tragenden Säulen säumen, unter ihnen Veronica mit dem Schweißtuch und Longinus mit der Lanze. Andreas mit dem Kreuz begegnet dem Besucher dort genau so wie auch anderenorts des Öfteren. Am Rand der besagten gigantischen Kuppel prangen die vier Evangelisten mit ihren Symboltieren. Darunter steht ein gigantischer Baldachin, der wiederum das Zentrum des Petersdoms, seinen Kern und seinen Erbauungsgrund beschirmt: das Grab des Heiligen Petrus, eines von Jesus’ Aposteln und ersten Papstes. Am Ende des Kirchenschiffes, über dem Papstaltar, zieht ein riesiges Kunstwerk die Blicke auf sich, das in dunklen Farbtönen gehalten ist, in dessen Mitte eine weiße Taube in einem gelb-orangefarbenen Oval schwebt, die den Heiligen Geist symbolisiert. Um nur ein paar der Details aus diesem Gebäude zu nennen, dessen Dimensionen man sich einfach nicht ausmalen kann, wenn man es nicht gesehen hat, und dessen Beschreibung sich meines sprachlichen Vermögens entzieht.

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Kirchenschiff          Baldachin

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Petrus          Pieta

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Taube          Gepriesen
links: Noahs Taube mit dem Ölbaumzweig, die zum Symbol des Friedens wurde
rechts: ein Papst, der sich mit Jesus besonders in Szene setzte

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Andreas          Veronica          Himmelspforte

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Nun ist die katholische Kirche ja eigentlich nicht gerade für die Verehrung eines von Jesus’ Aposteln bekannt, sondern für die Marias. Wieso also ist der ganze Petersdom Petrus gewidmet und nicht der Muttergottes? Das kam so.
Nachdem Jesus die Fischer Petrus und Paulus bekehrte, schien er an ersterem dermaßen viel Gefallen gefunden zu haben, dass er ihm aus nirgends weiter ausgeführten Gründen die Schlüssel zum Himmelsreich überreichte. Ja, er ließ sich sogar dazu nieder, Petrus die Füße zu waschen! Wenn es religiös rechtens ist, die Apostel nach einer Wichtigkeit zu ordnen, gehört Petrus demnach relativ weit nach oben. Als Inhaber der Schlüssel zum Himmelsreich, die übrigens auch heute noch das Wappen des Vatikan zieren, wurde er irgendwie zum ersten Papst. So errichtete man ihm einen kleinen Altar an seinem Sterbeort, baute das ganze für die ganzen Pilger ein wenig aus und eh man sich versah, stand der erste Petersdom, der gegen Ende der Renaissance schließlich nahezu vollständig dem heutigen Prachtbau weichen musste.
Um es kurz zu halten…

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Schlüssel1          Schlüssel2
links und rechts: die Schlüssel zum Himmel

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Bekehrung          Schlüsselübergabe          Fußwäsche
von links nach rechts: die Geschichte des Petrus

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Die Aussicht von der größten Kuppel der Welt ließen wir uns auch nicht nehmen. Auch, wenn viele Drängler genau dies versuchten. Sie war in der Tat beeindruckend und bot auf Anhieb ein relativ einheitliches Bild von der römischen Architektur, in einem hellen Rotton und mit Ziegelsteinen in der klaren Überzahl. Erst von oben wurde auch die Bedeutung der Säulenreihen um den kreisrunden Petersplatz mit seinem Fallus Obelisken in der Mitte deutlich: zwei Arme, welche die Besucher empfangen, sie freundlich aufnehmen und dadurch zum Christentum bekehren. Das beste aber war zweifellos der Aufstieg selbst, durch im wahrsten Sinne des Wortes schräge Gänge und Wendeltreppen hinauf, gegen die selbst jene im Kölner Dom wie vierspurige Autobahnen erscheinen. Die Spinnen eben, die Römer. tock tock tock

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Evangelisten          Kuppel
links: in der Kuppel
rechts: die größte Kuppel der Welt

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Petersplatz          Apostel          Radiosender
links: Petersplatz von oben
Mitte: Jesus und seine lustigen Mannen
rechts: Radio Vatikan

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Kapelle          Papamobil
links: drinnen Fotoverbot, von außen zu Glück nicht - die Sixtinische Kapelle
rechts: Der Papast fuhr einst einen Japaner.

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So verbrachten meine Eltern (und ich) also ganz passend einen Großteil ihres Hochzeitstages in der Kirche.
Dem folgten ein Gang zur Engelsburg - wie himmlisch! - und zum Vier-Ströme-Brunnen - wie herrlich! Wir bummelten durch hübsche Gässchen und ich aß ein Eis aus der mutmaßlich besten Eisdiele Roms, wenn nicht gar Italiens, das mir den Magen verrenkte.

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Engel          Tiber
links: Engel über der Burg
rechts: Burg über dem Tiber

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Flüsse          Neptun
links: der Ganges und der Nil
rechts: Neptun im Kampf mit einem Tentakelmonster

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Ausgeklungen wurde der Feiertag bei einem stilvollen Pizza-Essen. Dabei witzelten die Kellner unterhaltsam und schwangen sogar das Tanzbein zu ein wenig italienischer Gitarrenmusik von einem um die Häuser ziehenden Mann. Die spinnen echt, die Römer. tock tock tock

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Fußgängerzone          Tintenfischring
links und rechts: zwei weitere Beweise, dass die Römer spinnen: "Fußgängerzone - oder doch nicht?" und "im wahrsten Sinne des Wortes ein Tintenfischring"

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October 17, 2010

Bilderbuch Deutschland 32 - Braunschweig (Herbst)

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Braunschweig:
- bis zu 49 Höhenmeter innerhalb der Stadt überwindbar (62m - 111m über NN)
- Geburtsort des Fürsten der Mathematiker, Carl Friedrich Gauß, sowie einem Potpourri bedeutender Künstler wie dem Rapper Cappuccino, der Schriftstellerin Ricarda Huch, einem Großteil der Verleger-Familie Westermann und nicht zuletzt natürlich der Harfen-Agnes
- lange Zeit Wirkungsstätte des Realisten Wilhelm Raabe und immerhin zwei Jahre Schulort Hoffmann von Fallerslebens
- Partnerstädte: Magdeburg, Bath (GB) und Nîmes (Frankreich)

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Gipfel          Malen
links: leider ohne Ton - Braunschweiger Gipfel
rechts: gescheitertes Herz, doch dennoch künstlerisch wertvoll (?)

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Kristall          Eisberg
links: Manche nennen es "Kristall", manche treffender "Eisberg". - 8,33%
rechts: Sonnenaufgang am Eisberg

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Rooms          Appearing
links: Räume aus Wasser
rechts: ein eiskaltes Händchen

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Laiche          Ring          Siedlungen
links: Spawns - ein Haufen Laiche
Mitte: ein wenig kitschig - Farbring 450d
rechts: schwebten über der Oker - Siedlungen

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Bahnhof          Bogen
links: kein Bestandteil des Lichtparcours, aber trotzdem schön beleuchtet - der alte Bahnhof
rechts: Bogen der Erinnerung - Vermutlich ist die Spiegelung das eigentliche Kunstwerk.

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Evokation          Rot
links: Evokation in Rot - rote Rosen unter der Brücke
rechts: abendlicher Radler und Geist eines Erfrorenen

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October 16, 2010

My Story 12 - Ein kleiner Schritt und ein großer

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Neulich, da sagte mir einmal jemand: "Sieh nach den Sternen, gib Acht auf die Gassen!"

Der Umzug nach Braunschweig, jener kleine Schritt vor dem wichtigen großen, erfolgt gerade noch rechtzeitig. Im Grunde hatte ich schon beim letzten Besuch Ende Juni, als ein bestimmtes Ereignis versäumt wurde, beschlossen, noch im September umzuziehen. Denn jenes Ereignis sollte bis zum 30. September täglich stattfinden und ein Umzug in der letzten Septemberwoche somit mehr als genügen.
So kam es, dass ich Ende September, genau zum Herbstanfang, damit begann, meine Siebensachen zu packen. Das bestand hauptsächlich darin, die Sachen aus dem Regal zu räumen und möglichst geschickt auf ein knappes Dutzend Umzugskartons zu verteilen. Denn Franzi sollte das Regal und den schmalen Flurschrank bekommen und meine glücklicherweise noch gefundene Nachmieterin den Rest des Mobiliars. Bevor zumindest Regal und Schrank allerdings umgesiedelt werden konnten, galt es natürlich, sie zu entrümpeln.
Und was man dabei nicht alles findet! Jeder Umzug ist doch wie eine kleine Zeitreise durch sein Leben.

Zunächst einmal sind da ja die ganzen Bücher, die man so liest.
Klassikern, "Weltliteratur", wie ich sie zu nennen pflege, widmete ich mich zuletzt intensiver: von Hemmingways "Der alte Mann und das Meer" oder Homers "Odyssee" bis zu Orwells "Farm der Tiere" und "1984", beides übrigens Klassiker, deren Themen heute noch so aktuell, deren Aussagen heute noch so zutreffend sind wie vor sechzig Jahren und die ich jedem ans Herz legen möchte. Davor gab es eine Zeit, in der ich von Krimis angetan war. Die mehrbändige Sherlock-Holmes-Reihe hatte mich zwar sehr enttäuscht, doch Agatha Christies Geschichten mit Hercule Poirot und Miss Marple fesselten mich umso mehr. Darüber thronten im Regal bekannte Bücher von Dan Brown und Ken Follet - mit den "Säulen der Erde" des letzteren war ja vor zehn oder zwölf Jahren meine Lust am Lesen erst so richtig entfacht wurden -, aber auch etwas leichtere Literatur wie die Zamonien-Reihe von Walter Moers. Ich weiß nicht mehr, in welchem Urlaub, aber in einem davon hatte ich dessen "Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär" komplett durchgelesen. Was mich an den "Anhalter" erinnerte, den ich ebenfalls während eines Urlaubs an der Côte d’Azur nahezu verschlang. Des Weiteren nahmen die Bücher von Wolfgang Hohlbein viel Platz im Regal ein, wobei ich die Begeisterung bis auf drei ausgewählte Werke heute selbst nicht mehr ganz nachvollziehen kann.
Das Regal war bald leergeräumt, die Bücher und Manga stapelten sich in vier Kategorien auf dem ganzen Fußboden verteilt und zwangen mich somit, eine Nacht auf dem Sofa zu verbringen. Doch dieser noch recht einfachen Aufgabe folgte das Durchwühlen der Schubladen. Und in denen sammelte sich der Stoff aus zwei Jahren Hauptstudium, zwei Jahren Grundstudium, einem halben Jahr Diplomarbeit und, bereits vollkommen verdrängt, zwei Jahren der Abiturzeit.
So stieß ich auf grottenschlechte Handouts von Referaten über Hondaismus und Ministerialbürokratie, den Kaufmannsstand im 9. Jahrhundert und das Christentum in Japan, die Präfektur Okayama und die M-Kurve, und und und… In alledem gab es aber auch Lichtblicke, wie beispielsweise das ausgezeichnete Referat über die U-Bahnen und deren Rentabilität oder über privaten Konsum, welches ich am 23.12.2008 hielt, ein Datum, das so unvergessliches ist wie das Referat selbst. Zwischendrin lagen einige ausgedruckte Quellen bezüglich der Erdbebenversicherung, womit ich mich für die Stipendium zur Finanzierung des Auslandsjahres beworben hatte, welche vor Ort allerdings zu einer Analyse der Rentenversicherung wurde. Auf der anderen Seite befanden sich in der Schublade die Skripte zu den BWL-Vorlesungen. Beim Durchblättern derselben sprangen mir so spannende Stichwörter wie Kostenfunktion oder vertikale Integration von Unternehmen ins Auge und erleichterten mir die Entscheidung: noch mehr Spenden zur Förderung der Klopapierherstellung.
War die erste Schublade doch recht schnell leer geräumt, ging es also flugs an die zweite. Diese brachte mich in bereits fast vergessene Zeiten.
Einst gab es nämlich eine Zeit, in der ich begeistert ironische Figuren in französicher Literatur suchte und chemische Formeln auswendig lernte, die mich den Citratzyklus rekonstruieren ließen. Ich referierte über Heinrich Mann und Chicago und las Bücher aus Interesse und nicht für eine Klausur, wenn ich auch bis zu derselben nicht durch das gesamte Buch hindurchkam und die zu vergleichenden Textstellen somit erst einmal in Ruhe zu lesen begann, weswegen auch die Note entsprechend ausfiel. Dennoch bereute ich jene Entscheidung niemals, war ich doch meinen Prinzipien treu geblieben. Die Unterlagen meines dritten schriftlichen Prüfungsfaches, Wirtschaftslehre, weckten jedoch bittere Erinnerungen an die einzige wirkliche Fehlentscheidung meiner Schulzeit: Wirtschaftslehre hätte ich lieber als normalen Zusatzkurs besuchen und Geschichte als Prüfungsfach belegen sollen. Doch nun ja, das alles ist bereits Geschichte.
Je weiter die Reise ging, desto nostalgischer wurde ich. Ich ertappte mich sogar dabei, wie ich einmal kurz dachte: "Damals, in der Schulzeit, da war das Leben noch einfach…" Gleichzeitig kam mir aber die wichtige, vielleicht ein wenig erstaunliche Erkenntnis: "Aber zurück in diese Zeit würde ich gar nicht mehr wollen!" Zurück in eine Zeit, als einem simple Steine so viel wert waren. Zurück in eine Zeit, in der Pinguine gelb und rot und blau gleichzeitig sein konnten und als Lego. Zurück in eine Zeit, als ich im Kreis um Wäschestangen lief, da es mit dem freihändigen Laufen noch nicht so ganz hinhaute und die erkundbare Umgebung eben ein wenig begrenzt ist, wenn man stets eine Hand an der Wäschestange haben muss.

Doch genug der Nostalgie. Erinnerungen sind Erinnerungen. In Herz und Hirn ist genug Platz dafür; ab ins Altpapier mit all dem Müll!
Genau rechtzeitig zum Umzug wurde ich fertig. Dieser wiederum verlief dann ganz schnell. Wir waren zu fünft und hatten sogar ein Auto. In zwei Gängen war alles unten, nach einem kurzen Hin und Her ins Auto verladen und dann ging es zu Franzis neuer Wohnung. Während ihr Zimmer noch bezugsbereits gemacht wurde, luden wir wieder alles aus, waren somit eine knappe Stunde nach unserer Zusammenkunft mit allem fertig, von der die meiste Zeit auch noch für den Ortswechsel aufgewandt worden war, und aßen den Rest des Nachmittags Kuchen, tranken Cola und unterhielten uns. Eine Stunde Möbel und Fahrt, drei Stunden Kost und Unterhaltung - so macht Umziehen Spaß!
An dieser Stelle noch einmal meinen aufrichtigen Dank an Franzi, Martin, Gerhard und Micha für ihre Hilfe, ohne die es sicher nicht geklappt hätte!
Micha packte einige Tage später gleich noch einmal mit an. Erst, als er die Palme zu sich trug, und dann, als mein Vater mit einem kleinen Umzugswagen herunterkam, in den die paar Kartons und der andere Kram gerade so hineinpassten. Zu dritt bewältigten wir auch diese Hürde im Nu, der Hausmeister lächelte zum Abschied sogar einmal - das letzte Mal wirklich gelächelt hatte er beim Einzug zwei Jahre zuvor und auch da bin ich mir gar nicht mehr so sicher - und nach einem letzten Mittagessen verabschiedete ich von Micha und mit ihm auch symbolisch von Bonn.
Als wir auf die Autobahn auffuhren, war es schon irgendwie ein komisches Gefühl. Ein Gefühl der Endgültigkeit macht sich langsam bemerkbar. Dann kam der Stau.

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Trotz des Staus und eines aufgrund mehrerer Baustellen derzeit zu gut einem Drittel lahmgelegten Straßenbahnnetzes kamen wir noch rechtzeitig in Braunschweig an, uns ein kulturelles Ereignis erster Güte zu Gemüte führen zu können. "Lichtparcours" nennt sich das Spektakel und ist eine Ausstellung von neun Kunstwerken, die über die gesamte Innenstadt verteilt sind. Der Clou an dieser Outdoor Art, wie man es auf Neudeutsch wohl heutzutage nennt, ist, dass die Freiluftkunstwerke am Abend hübsch beleuchtet werden.
Am besten fährt man den Parcours mit dem Fahrrad ab. Ein Großteil von ihnen liegt zwar dicht beieinander, doch einige eben auch etwas weiter entfernt, aber alle an der Oker, die teilweise auch ein Teil der Kunstwerke wird. So zum Beispiel bei der "Evokation in Rot" oder dem "Bogen der Erinnerung", zwei Kunstwerken, die bereits beim letzten Lichtparcours vor einigen Jahren teilnahmen, erstere jedoch unter dem Namen "Rosen ohne Dornen", denn dieses stellen die Blüten auf der Unterseite einer Brücke dar. Der Rest ist allerdings neu. Noch nie da gewesen. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen! Und das alles in unserem schönen Braunschweig!!! "Schön hier", sagen wir schließlich nicht umsonst, "aber warst du schon einmal in Braunschweig?"
Gleich mehrere Auftritte hatten die "Siedlungen", über der Oker schwebende Miniaturhäuser, die passend zum Umfeld des Flusses je nach Standort anders angeordnet waren. Genau so stark auf die Stadt bezogen war der "Braunschweiger Gipfel". Ich zitiere aus der Homepage zum Lichtparcours 2010: "Die Lichtinstallation – Braunschweiger Gipfel – visualisiert ein kartographisches Netzwerk im Wasserspiegel des Portikusteich. Weiße Kugelfender und blitzende Signallichter markieren die Konstellation der Straßenkreuzungen und Wegegabelungen. Pulsierende Neonstabbojen bezeichnen die topografische Lage der Okerumflutbrücken. […] Seerosentellerähnliche Leuchttonnen verkörpern die Lage der besonderen Architekturen im innerstädtischen Raumgefüge. Die Positionen der Kirchenbauten sind mit leuchtenden Quadratkreuzen gekennzeichnet. […] In der Bewegung des Gehens, des Flanierens am Ufer erschließt sich dem Betrachter das nächtliche Panorama. Mit zunehmender Dunkelheit verwandelt sich die Konstellation in ein visuelles Konzert bewegter Raumpunkte. Die den Innenstadtbereich dominierenden Glockenklänge der 9 Kirchenbauten sind Basis für die Komposition eines Klangnetzes zur aquatischen Lichtinstallation."
Noch beeindruckender fand ich persönlich allerdings das Projekt "8,33%". Diese krumme Zahl ist der Anteil eines Eisblocks, der aus Süßwasser heraus ragt. In der Tat sah die Konstruktion aus Spiegeln aus wie ein Eisberg, der aus dem Teich ragte. Manche nannten es auch einen Kristall, andere, Banausen, die die Schönheit jenes Kunstwerks nicht erkannten, einen Klumpen.
Mit weniger Kritikern hatten es wohl die "Appearing Rooms" zu tun. Dahinter verbarg sich eine Installation aus Wasserfontänen auf einem quadratischen Grundriss, in dessen Innerem wiederum ein Kreuz aus Fontänen denselben sozusagen in vier Räume unterteilte. Die Wände aus Wasser in diesem kleinen Häuschen stiegen und fielen dabei scheinbar zufällig. Mal waren alle Wände gleichzeitig aktiviert, mal nur zwei, mal war sozusagen genau ein Raum geöffnet, wodurch ein Betreten und Verlassen des Hauses möglich wurde: ein begehbares Kunstwerk. Augenzeugen zufolge erfreute es sich besonders an heißen Sommertagen großer Beliebtheit, vor allem bei Kindern, die gerne einmal im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Kopf durch die Wand liefen. Ich frage mich nur, welche "heißen Sommertage" gemeint sein könnten. Muss in einem anderen Jahr gewesen sein oder auf einem anderen Kontinent.
Und dann waren da noch der Haufen weißer Kugeln, der sich "Spawn" nannte, was sich etwa mit "Laich" oder "Ausgeburt" übersetzen lässt, und der ultrakitschige pinkfarbene "Farbring 450d", dessen zweite Namenshälfte unerklärt blieb und der lediglich aufgrund der Tatsache unterhaltsam war, dass man sich in ihn legen oder setzen oder irgendwie anders mit, vor, in und hinter ihm posieren konnte. Leider war ich nicht der einzige mit dieser Idee und freute mich schon über eine Sekunde, in der die Posierer wechselten und man wenigstens ein Foto von dem unbesetzten Acrylring schießen konnte, wenn schon keines von sich selbst in ihm möglich war.

Ähnlich unterhalten verbrachte ich auch die anderen Tage in Braunschweig. Die Familie wurde langsam auf den unaufhaltsam näher rückenden Abschied vorbereitet und meine alt eingesessene Strategie bei dem "Siedler-Kartenspiel" bewährte sich nach einer längeren Reihe von Niederlagen endlich wieder, um eine Prise Flexibilität erweitert. Das war auch nötig, denn ich wollte bei dem bevorstehenden Flug nach Rom unbedingt am Fenster sitzen und der Sieger des dritten Spiels (nach zwei Spielen zum Aufwärmen) durfte seinen Platz wählen. Wobei es ohnehin keinen Konflikt gegeben hätte, wie meine Mutter und ich später feststellten. Umso besser: eine Win-Win-Situation! Ein Paradebeispiel für Paretoeffizienz.
So hob ich zum dritten Mal innerhalb eines Monats ab und ließ Deutschland hinter beziehungsweise unter mir.

October 15, 2010

Menschenskinder 10 - Gesichter des nächsten Sommers

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Sie, die die sich nach einer kurzen Zeit der Trennung jetzt wieder nahe sind…
Sie, die mehr für ihre Fitness tun sollten…
Sie, die einen näher an sich heran lässt, als man es von Japanern vermutet…
Sie, die aberwitzige Grimassen schneidet…
Er, der ebenfalls an Cosplay begeistert ist…
Er, der irgendwie immer schick und dennoch leger gekleidet ist…
Sie, die eine von wenigen, die initativ und aktiv sind…
Er, mit dem es ein riesiges Missverständnis gab, ohne welches wohl einiges anders verlaufen wäre…
Er, dem ich zu unendlichem Dank verpflichtet bin…
Er, mit dem ich trotz unterschiedlicher kultureller Herkünfte voll und ganz auf einer Wellenlänge bin…

Alle, die beim Abschiedsgrillen dabei waren…
Alle, die bei den Umzügen mitgeholfen haben…

Menschen, mit denen ich ein paar Kapitel meiner Geschichte teile…

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Fabi          Wanderer          Dom
links: Fabi und ich einmal ganz lässig
Mitte: total außer Atem - erschöpfte Wanderer
rechts: Fotomontage - Kölner Dom in voller Größe

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Tapas          Hofgarten          Steif
links: Bönnsche Tapas
Mitte: sommerliches Beisammensein im Hofgarten
rechts: Masa in Mokkori-Stimmung

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Lächeln          Verloren
links und rechts: vorher und nachher - Die Niederlage hat er noch gelassen genommen, doch die Strafe lässt steckt Yûki nicht einfach so weg.

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Minigolf          Froschkönig
links und rechts: Lars und Sawa beim Minigolf

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Kassel          Wilhelmshöhe
links: glückliches Paar in Kassel
rechts: Paar mit Anhang

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Cousine          Landgraf
links und rechts: in Grün im Grünen

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Grillen          Rauch
links: Abschiedsgrillen
rechts: berau(s)cht

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Veranstalterin          Flasche
links: Veranstalterin Eri schmeckt es.
rechts: zwei Flaschen an der Flasche

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Voll          Ritual          Fahne
links: den Mund wieder einmal zu voll genommen
Mitte: Shôhei und Gô bei einem okkulten Ritual
rechts: eine Fahne von zu viel Bier

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Kuchen          Themenfoto
links: erbeutet - schwarz-rot-goldener Doppel-Schokokuchen
rechts: Themenfoto "bitte recht freundlich"

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GuckstDu          Shôtarô
links: Sawa, , Chiharu und ich von unten
rechts: die coolsten Kerle des Abends

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Fahrrad          Ablage
links: volle Fahrt voraus
rechts: Kenta und ich als Abwaschhilfen

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Frischfleisch          Abschiedsgrillen
links: ein bisschen Cosplay zum Abschied - wie ich in Erinnerung bleiben möchte: immer ein klein wenig verrückt
rechts: Gruppenbild beim Abschiedsgrillen

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Hahn          Doppelkopf
links: Hahn im Korb
rechts: Doko und Schoko

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Kanone          Kreuzgang          Telefon
links: Atsushis Kanone
Mitte: im Kreuzgang
rechts: ein bisschen Businessmann

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Hilda          Komiker
links: ein Keks namens Hilda
rechts: Tünnes, Schäl und Atsushi

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Ballons          ICE
links: mit Ballons durch Köln
rechts: im ICE

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Bank          Bohrer          Franzi
links: Erholung nach ein wenig Catchball - auf einer Bank zwischen Augustusburg und Falkenlust
Mitte: Kenta bohrt sich durch Granit.
rechts: ein laues Spätsommerlüftchen - über den Dächern von Andernach

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Ruhe          Geysir
links: im Raum der Entspannung
rechts: Gruppenbild vor dem größten Kaltwassergeysir der Welt

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October 9, 2010

Bilderbuch 31 - Andernach

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Andernach:
- schon lange vor Christi Geburt besiedelt, wenige Jahre nach ihr von den Römern befestigt
- von Normannen überfallen und dennoch wehrhaft dank des Runden Turms
- von den Franzosen unter Louis XIV. 1689 nahezu komplett zerstört
- heute mit rund 30.000 Einwohnern Zentrum der Bimsindustrie
- Weltrekord: Heimat des mit ca. 60 Metern höchsten Kaltwassergeysirs der Welt

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Dächer          Rhein
links: über den (wunderschönen) Dächern von Andernach
rechts: unser Schiff

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Rheinland          Kai
links: wahrhaftig Rheinland-Pflanz
rechts: Kai auf der Halbinsel Namedey

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Mulde          Beständig
links: Steinhaufen und CO2-Mulde zum Schutz vor einem CO2-Rausch
rechts: erhöhtes Blubberbecken zum Schutz der Kinder

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Geysir          Natur
links: Ausbruch
rechts: Natur in ihrer natürlichsten Form

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Fontäne          60          Kapelle
links und Mitte: deutlich zu erkennen die mittlere Wassersäule und die Verwehungen darum herum
rechts: Kapelle zu Ehren Muttis

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Orange          Gulli
links: Kunstwerk namens "blaue Orange"
rechts: Gullideckel

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October 8, 2010

Bilderbuch 30 - Bonn (Sommer)

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Bundeshauptdorf
Obdachlose
Nobelpreisträgerprofessor
Nevohteeb

- einfach Bonn -

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Münster          Arche          Sarg
links: Münster im Profil
Mitte und rechts: Stille - Krypta

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Noah          Kreuzgang
links: Arche Noah
rechts: Kreuzgang

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SW          Blau
links: einmalig - schlichtes Schwarz-Weiß
rechts: einzigartig - blaue Lichtsäulen

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October 7, 2010

Vaterland 36 - Andernach

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Neulich, da sagte mir einmal jemand: "Wer spät zu Bett geht und früh heraus muss, weiß, woher das Wort Morgengrauen kommt."

Immer, wenn Besucher da sind, gibt es ja das Standardprogramm. Beziehungsweise eines von mehreren Programmen, jeweils auf den einzelnen Besucher abgestimmt. Jedoch bemühe ich mich auch immer, selbst etwas Neues zu entdecken, seien es Details, auf die an bereits mehrfach besuchten Orten wie dem Kölner Dom besonders geachtet wird, oder gar ganz neue, bisher noch nie gesehene Orte.
Andernach ist einer von letzteren und wurde mir bereits mehrfach empfohlen. Seit längerem wollte ich dort schon einmal hin, doch erst jetzt, eine gute Woche vor Ende der Zeit in Bonn, nutzte ich die Gelegenheit. Die Mitglieder Doppelkopftruppe, mit welcher die Idee dazu überhaupt erst aufkam, sagten zwar einer nach dem anderen ab, aber immerhin Franzi blieb mir treu, Atsushi blieb ohnehin nichts übrig als mitzukommen und dank des Werbespruchs "größter Kaltwassergeysir der Welt" in der SMS waren mit Shôhei und Kenta schnell zwei weitere Begleiter gefunden. Denn getreu der Redewendung "fünf Freunde müsst ihr sein", benötigten wir genau diese Anzahl an Reisenden, um mit dem Rheinland-Pfalz-Ticket möglichst kostengünstig nach Andernach zu kommen. Trotz der drei unterschiedlichen Parteien, die da in der Bahn aufeinander trafen, unterhielten wir uns auf dem Hinweg sehr gut. Ein bisschen Deutsch hier, viel Japanisch da und immer einmal wieder eine Prise Französisch oder Russisch dazwischen.
In Andernach selbst stellten Franzi und ich uns erst einmal wissend. Den Weg vom Bahnhof zum Geysir-Erlebniszentrum hatte ich zwar nur grob in Erinnerung - es lag irgendwo am Rhein, laut eigenen Angaben auf der Homepage nur zehn Minuten Fußweg entfernt -, doch als die Sehenswürdigkeit Andernachs würde er garantiert ausgeschildert sein. War er dann zwar nicht, aber die Karte nahe der vielen Wegweiser half dann doch weiter. "Nur zur Sicherheit", versicherten wir den drei Japanern, die uns blind folgten.
Bevor man den Geysir besichtigen kann, geht es durch das Erlebniszentrum. Zunächst fährt man dort mit einem Fahrstuhl etwa 4000 Meter in die Tiefe. Von dort aus verwandelt man sich quasi in ein CO2-Molekül und bahnt sich seinen Weg zur Erdoberfläche. Dabei geht es unter anderem durch Sandsäcke, die einem das Gefühl vermitteln, sich durch Gesteinsschichten zu quetschen, und einen stockdunklen Gang. Im Raum der Ruhe wird das Molekül von psychodelischen Lichtspielen berauscht, an einer Eisenstange kann es Temperaturen schätzen und auf der Dachterrasse die Aussicht genießen. Diese hat übrigens genau die richtige Höhe, um Andernach von oben zu betrachten: Nur wenige Meter über dem Dächermeer sieht die Stadt wunderschön aus - noch dazu an einem fast wolkenlosen Spätsommertag, wie ihn glücklicherweise genießen durften.
Insgesamt ist das Erlebniszentrum aber in der Tat einen Rundgang wert und so informativ wie unterhaltend. Es gibt vieles zum Ausprobieren, wodurch in keiner Minute Langeweile aufkommt. So beschäftigte uns ein Handbohrer eine Weile damit, Löcher in unterschiedliche Gesteine zu bohren. Sah der Bimsstein bereits aus wie ein Stück Schweizer Käse, bissen wir uns am Granit die Zähne aus. Wer bloß das zentimetertiefe Loch da reingebohrt hatte? Auf jeden Fall musste das garantiert eine gute Stunde gedauert haben. Ebenso wie am Granit scheiterten wir an der Domino-Pyramide. Die Steine fielen zwar, aber erst, nachdem wir jeden einzelnen angestupst hatten, und das dann mit einem Höllenlärm. Und dann war da noch das Quiz, dessen sechs Fragen ich als einziger allesamt richtig beantwortet hatte. Aber die Dame, die es auswertet, war sehr nett und belohnte nicht nur auch Shôhei und Kenta für ihre jeweils fünf richtigen Antworten, sondern sogar Franzi und Atsushi, die eigentlich gar nicht mitgemacht hatten.
"Ahoi", hieß es daher nicht nur, weil es mit dem Schiff zum Geysir ging, der nämlich auf einer angeblich sonst nicht anders zu erreichenden Halbinsel liegt. "Ahoi", hieß es auch, weil wir unterwegs das Brausepulver zu uns nahmen. Ein angenehmes Kribbeln, wenn es auch sehr süß und klebrig war und eigentlich in einem Glas Wasser wohl besser geschmeckt hätte. Mit einer anderen Entscheidung hatten wir dafür mehr Glück. Hatten wir uns zunächst noch auf die Schattenseite des Schiffes gesetzt, wendete dieses nach dem Ablegen sehr bald und wir saßen in der Sonne. Es herrschte ein reges Treiben, als auf einmal alle anderen Anwesenden auf unsere Seite wechselten.
Der Geysir liegt, wie bereits gesagt, auf einer Halbinsel, hinter einem nicht unüberwindbaren Zaun und einer Autobahnbrücke mitten in einem Naturschutzgebiet. In einem kleinen Becken in einem Steinhaufen hinter einer Mulde, die als Auffangbecken für das CO2 dient, blubbert es die ganze Zeit. Das CO2 ist es auch, warum der Geysir etwa alle zwei Stunden in die Höhe schießt, ohne dass sein Wasser kochend heiß wird. Heißwassergeysire wie in Island oder den USA kennt man ja, aber Kaltwassergeysire? "Das geht doch gar nicht", mag der eine oder andere vielleicht bereits zu Beginn dieses Eintrags gedacht haben. Dank CO2 aber eben doch. Vereinfacht gesagt ist es wie mit einer Flasche kohlensäurehaltigen Wassers, aus der aufgrund des CO2-Drucks ebenfalls Wasser geschossen kommt, wenn man sie schüttelt und dann öffnet. In der Natur stellt übrigens ein Bohrbrunnen die sich öffnende Flasche Wasser dar.
Nach einer kurzen Einführung in die Funktionsweise und Geschichte des Geysirs schoss auch auf einmal die lang ersehnte Fontäne in die Höhe. Nach etwa zwei Minuten hatte sie ihre maximale Höhe von etwa sechzig Metern erreicht. Ein beeindruckendes Schauspiel, noch dazu vor dem azurblauen Himmel. Getrübt wurde das ganze nur von dem Geschmack des Geysirwassers, welches uns in einem Eimer angeboten wurde. Abgesehen davon, dass die meisten Schaulustigen den Schöpflöffel natürlich ohne an die Hygiene zu denken direkt an den Mund ansetzten, war das Wasser auch sehr salzig. Kein Wunder, bahnt es sich doch erst mehrere hundert Meter den Weg durch die Erde, vorbei an Felsen, deren Mineralien es abreibt, bevor es ans Tageslicht tritt. Gesund soll es dennoch sein. Nun ja, es gibt ja auch den dummen Volksglauben, Medizin müsse bitter sein, damit sie wirkt.
Wieder zurück in der Stadt hatten wir mächtig Kohldampf. Diesem sollte mit Apfelstrufel und Vanilleeis beigekommen werden - eine Spezialität der Region -, doch leider hatte das auserkorene Restaurant trotz seiner günstigen Lage direkt neben dem Erlebniszentrum nur mittags offen. So gingen wir in ein Restaurant, dessen Mittagsangebote wiederum bis in den Nachmittag hinein galten, und ließen uns Schnitzel schmecken. Ist ja auch was typisch Deutsches. Nach einem Rückweg, bei dem meinem Orientierungssinn zu Unrecht nicht vertraut wurde, kamen wir genau pünktlich zum Zug am Bahnhof an. Dort wurde es noch einmal ein wenig hektisch wegen einer Frage bezüglich der Tarifzonen, doch am Ende klärte sich alles rechtzeitig und wir konnten es uns in der Bahn gemütlich machen und alle Mann erst einmal eine Runde schlafen, den Schlaf der Gerechten.